absolutely free! – Ausstellung im Joanneum

nachdem ich mich ja gewissenhaft auf die sendung vorbereite war ich heute noch mal in der ausstellung „absolutely free“, die im moment im joanneum in graz zu sehen ist, um am mittwoch was sinnvolles darüber sagen zu können.

wer´s noch nicht weiss, und noch nicht gesehen hat, gehen tuts darum, dass sich „woodstock“ zum vierzigsten mal jährt, und das anlass genug war eine ausstellung inklusive umfangreichen rahmenprogramms zu gestalten.
na ja, und das wars dann auch schon fast wieder, was sich dazu sinnvolles sagen lässt. klar hat die ausstellung ein paar ecken, an denen auch ich in die vergangenheit abtauche, und mich an flyern von konzerten aus den 90ern erfreue, die ich schon längst wieder vergessen habe. aber reicht das? alles andere erscheint wie eine bunte ansammlung von „zeugs“.

was wollten uns die macherInnen der ausstellung nur damit sagen? und immerhin waren 111 künstlerInnen und 8 kulturwissenschafterInnen daran beteiligt, wie am eingang stolz festgestellt wird. dass die welt bunter geworden ist seit 1969?
es fehlt einfach der rote faden in dem ganzen. wie lassen sich diese dinge einordnen. die zeittafeln, die an den wänden angebracht sind, erfüllen das nur in einem sehr geringen ausmass.

es hätte natürlich so einiges gegeben, was mit der ausstellung bezweckt werden hätte können… ein paar fragen zu stellen zum beispiel. am ende ist woodstock ja ausdruck und teil der biopolitischen kämpfe, um dieses modewort an dieser stelle zu verbraten, die ende der 60er und 70er stattfanden. sicher nicht der interessanteste teil, aber halt doch. also mensch hätte die frage danach stellen können, warum und wie es vonstatten geht, dass solch massive kämpfe nicht für einen weitergehenden bruch gesorgt haben. oder sind sie teil eines bruchs? angesichts der krise mitte der 70er läge das ja nahe, und damit käme mensch auf eine andere spannende frage… besonders in der aktuellen krise…

vor allem wird aber zu vieles ausgeklammert. von vornherein beschränkt sich die ausstellung weitgehend auf die „popkultur“. und dieser begriff wird dann auch recht eng gefasst. soll heissen, wir wissen nach dem ausstellungsbesuch zumindest, dass es heute um einiges mehr an verschiedenen lebensstilen gibt, und mehr an verschiedenen musikrichtungen. aber das weiss ich auch, wenn ich in der stadt die augen aufmache. mich hätts ja mehr interessiert, was sich damals in den räumen und einrichtungen abgespielt hat, die damals und heute nicht derart öffentlich sind. also wie war das damals im puch-werk, und wie ist es heute unter völlig geänderten bedingungen? wie war das damals in den heimen und internaten, in denen kinder und jugendliche weggesperrt wurden, und sie dagegen rebellierten, und schlußendlich diese einrichtungen recht erfolgreich zerbröselt haben. wie ging das damals in den „nervenkliniken“ ab, und wie ist das heute? welche rolle spielen und spielten die individualisierten und kollektiven kämpfe gegen diese institutionen?

aber das hat keinen platz… und wenn es dann doch irgendwo angedeutet wird, geht es einfach unter, in der fülle an „zeugs“…

dass kulturlandesrat kurt flecker sich halt als 68er (69er?) sieht, reicht dann eben doch nicht um solch eine ausstellung auf die beine zu stellen.





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