Archiv für Mai 2009

oN aiR – 27.5.: Strache in Graz / Etwas Besseres als die Nation / Ilisu – Staudamm

Strache in Graz

Noch mal ein kleiner Rückblick auf letzten Freitag, und die Proteste gegen den Auftritt von HC Strache. Inklusive einer kleinen Presseschau.

Gegen die Nation und die „Herrschaft der falschen Freiheit“

„Ganz Deutschland feiert in Berlin“ titelte die Berliner Morgenpost über das Bürgerfest, das am Samstag am Brandenburger Tor stattfand. Ganz Deutschland? – Nicht ganz: Während mehr als 500.000 Menschen in nationaler Glückseligkeit der Bundesrepublik ein Ständchen sangen, versammelten sich rund 2000 Menschen am Samstag Abend in Berlin-Mitte zu einer antinationalen Parade unter dem Motto „Etwas besseres als die Nation“. Über die antinationale Parade hört ihr ein Gespräch mit Mali Sommer, Mitglied des Demobündnisses und der antinationalen Kampagne „Staat.Nation.Kapital.Scheisse“.

Ilisu-Staudamm in Kurdistan

Ein Interview zu dem geplanten Bau des Ilisu-Staudamms in Kurdistan. Das Interview behandelt nach einer kurzen Einleitung die Folgen des Baus, den Widerstand dagegen und die aktuelle Situation.

die medien und der rechtsextremismus

über die proteste gegen den strache-auftritt wurde natürlich auch in anderen medien (kleine zeitung, orf steiermark, der standard, krone, usw.) berichtet.

die selben medien sind im moment ja sehr darum bemüht zu betonen, dass wir ja was tun müssen gegen die gefahr von rechts. daher ist es vielleicht mal interessant, wie die letzte demo medial dargestellt wird.

nehmen wir als beispiel den artikel von johannes kübeck in der kleinen zeitung:

Tumultartige Szenen bei Strache-Auftritt

Auseinandersetzungen prägten den Auftritt der FPÖ-Spitze anlässlich der EU-Wahl auf dem Grazer Hauptplatz. Offenbar linke Demonstranten veranstalteten ein extrem lautes Pfeifkonzert und bewarfen die FPÖ-Sympathisanten mit Eiern. Allerdings waren auch harmlose Papierschlangen darunter.

Eine Hundertschaft der Polizei – viele von ihnen mit schwerem Schutzanzug samt Helm – waren bemüht, die beiden Gruppen auseinander zu halten. Es kam zu einigen Handgreiflichkeiten der linksorientierten Kundgebungsgegener gegenüber der Polizei, diese konnte aber einen direkten „Schlagabtausch“ zwischen den Jugendlichen beider Seiten mit größter Anstrengung verhindern.

Mit Schirm geschützt. FPÖ-Obmann Heinz Christian Strache wurde während seiner 40-minütigen Rede mit Schirmen vor Wurfgeschoßen geschützt. Er warf den Gegnern der Kundgebung undemokratisches Verhalten vor. Sein Ausspruch „In Wahrheit seid Ihr die größten Nazis“ forderte weitere wütende Proteste heraus.

Obszöne Gesten. Auffallend bei der Veranstaltung war, dass in den Reihen der FPÖ-Sympathisanten mehrere Personen mäßigend auf aufgebrachte Jugendliche Strache-Anhänger einwirkten. Deshalb gingen von dieser Seite weniger Signale der Gewaltbereitschaft aus als von den „Linken“. Wiederholt kam es aber zum „Austausch“ von verbalen Attacken und von abstoßenden bis obszönen Gesten.
JOHANNES KÜBECK

es beginnt beim titel. klar der aufmacher ist nicht so was wie „graz sagt nein zur rassistischen hetze“ oder „hunderte grazer pfeifen strache aus“ oder „gähnende leere beim auftritt straches“. das wäre ziemlich nahe an dem gewesen, was das entscheidende bild vor ort war. aber der aufmacher ist natürlich der „tumult“. ein paar rangeleien und ein paar eier sind dem herrn kübeck berichtenswerter, als das hunderte sich auf den hauptplatz begeben, um ihrem protest gegen strache und co ausdruck zu verleihen.

interessant auch die formulierung „harmlose papierschlangen“. ein adjektiv, das vollkommen überflüssig ist, denn was sollen papierschlange denn sonst sein? eine gefährliche waffe? entscheidend ist aber, was damit zwischen den zeilen gesagt wird: es gab auch anderes, das nicht „harmlos“ war. zwischen den zeilen wird also das bild des „gewaltbereiten linksextremen“ beschworen, und durch dieses kleine adjektiv wird der protest delegitimiert. wär ja kein problem, wenn der kübeck kritisiert, dass er es nicht ok findet, wenn eier auf menschen geworfen werden. aber dann soll er das in einem komentar tun, und nicht in einem artikel solche formulierungen verwenden.

aber gehen wir weiter im text. „gewalt ist geil!“ ist ja das credo der meisten journalistInnen hierzulande. er kommt also nicht auf die idee die inhalte der demonstrantInnen wiederzugeben, und von mir aus auch zu kritisieren. nein das entscheidende für ihn ist natürlich wie viel polizei dort war. man achte auch auf die fomulierung „handgreiflichkeiten der linksorientierten kundgebungsgegner gegenüber der polizei“. damit werden die handelnden subjekte eindeutig benannt. dass es vielleicht umgekehrt war, und die handgreiflichkeiten von der polizei ausgingen, ist für kübeck denkunmöglich. ich will damit nicht behaupten, dass die akteure nur auf seiten der polizei waren, aber eben auch. und wenn mensch schon einen artikel schreibt, der so auf objektiv daher kommt, dann sollte es die journalistische sorgfaltspflicht schon gebieten, das zu erwähnen.

auf die idee vielleicht mal einen menschen zu interviewen, warum er/sie am hauptplatz war, kommt er natürlich auch nicht. die inhaltlichen punkte im artikel gehören ganz und allein dem strache.

und klar, das resümee ist natürlich, dass von seiten der linken mehr signale der gewaltbereitschaft ausgingen, wie vorne bei den rechten. aber das wundert uns jetzt ja nicht mehr.

ALLE medien haben natürlich auch die verqueren zahlenangaben der polizei wiedergegeben. die sprach von 550 leuten am haptplatz und davon ein drittel gegnerInnen. so konnten wir es ÜBERALL lesen. wer vor ort war weiss natürlich, dass das verhältnis zumindest 3 zu 1 gewesen ist. also stellt man sich die frage, ob kübeck und co einfach nicht dort waren, oder es da ein problem mit den augen gibt?

aber wen wunderts. als die linzer polizei am 1. mai in eine demo geprügelt hat und mensch in einem zivilisierten land einen aufschrei der kritischen öffentlichkeit erwarten könnte, bestand der beitrag der „kleinen zeitung“ bloß darin eine polizei-lüge, die die polizei selbst kurz später zurück nehmen musste, abzudrucken.

und abschließend stell ich mir die frage, ob mir nicht um die zeit schade sein sollte, die ich auf dieses kleinformat verschwendet habe…

Kurzer Bericht von der Demo gegen die FPÖ

Kurzer Bericht von der Demo gegen die FPÖ / 22.5.09

Heute Nachmittag fand die Kundgebung der FPÖ am Grazer Hauptplatz statt. Hunderte GegendemonstrantInnen bereiteten den Rednern einen entsprechenden Empfang. Die Redebeiträge des steirischen Obmanns Kurzmann, des Spitzenkandidaten Mölzer und des Bundesparteiobmanns Strache gingen in den Sprechhören der AntifaschistInnen unter. Das Verhältnis zwischen Antifas und FPÖ-AnhängerInnen dürfte wohl 3 zu 1 betragen haben. Im hermetisch abgeriegelten Bereich vor der Bühne haben sich vielleicht gerade mal 100 bis 150 F-lerInnen eingefunden. Dahinter 300 bis 400 GegendemonstrantInnen. Sprechchöre wie „Alerta, alerta Antifascista!“ und „Es gibt kein Recht auf Nazipropaganda“ bestimmten die Szenerie. Strache wurde auch noch mit dem einen oder anderen Ei bedacht, wobei er sich wohl noch an seinen letzten Graz-Besuch erinnern konnte, und seine Leibwächter vorsorglich schwarze Regenschirme mitgebracht hatten, um ihren Chef zu schützen.

Nachdem die Kundgebung kurz vor 17 Uhr beendet war, setzte sich noch eine spontane Demo in Bewegung, die durch die Schmiedgasse und die Herrengasse führte.

Die für den Abend geplante Veranstaltung auf der Uni wurde bekanntlich abgesagt. Eine späte Folge des entschlossenen Widerstands von vor zwei Jahren. Das Rektorat der Uni Graz betonte in seiner Aussendung, dass sie diese Veranstaltung aus Sicherheitsgründen nicht genehmigen könnten. Entschlossener Widerstand macht sich also bezahlt…

Insgesamt muss betont werden, dass zum wiederholten Male hunderte Grazer und Grazerinnen gezeigt haben, was sie von der rassistischen Hetze der FPÖ halten!

Bedenklich stimmt aber, wenn man sich die Strache-Jünger genauer ansieht. Vor einigen Jahren waren solche Kundgebungen noch von den alten Veteranen geprägt. Nun ist der Altersschnitt massiv gesunken. Viele junge Mitglieder der Freiheitlichen Jugend prägen nun das Bild.

RFS-Veranstaltung mit Mölzer auf der Uni wurde untersagt!

in der sendung wurde schon darauf hingewiesen, dass die veranstaltung des RFS, die am freitag im heizhaus stattfinden hätte sollen, von seiten des rektorats untersagt wurde. damit werden auch die dort angekündigten proteste nicht stattfinden.

was bleibt ist aber der termin am hauptplatz. dort werden strache und mölzer sicher auftauchen. um 15 uhr 30 treffen sich all jene, die sich die rassistische hetze in dieser stadt nicht gefallen lassen wollen.

oN aiR – 20.5.: Demo gegen Strache und Mölzer / Das Wachstum / AK-Wahlen

Demo gegen Strache und Mölzer

Kommenden Freitag werden HC Strache und Andreas Mölzer im Rahmen des EU-Wahlkampfes in Graz Station machen. Gegenproteste sind angekündigt! Um 15 Uhr 30 am Hauptplatz und um 17 Uhr 30 auf der Uni Graz (Heizhaus).

Das Wachstum

Es herrscht große Besorgnis im Lande: das Wachstum ist weg. Der Staat hält milliardenschwere Konkunkturprogramme für notwendig, damit die Wirtschaft wieder anspringen soll. 5% weniger Wachstum – das entspricht in etwa der Wirtschaftsleistung des Jahres 2006 – und das galt als gutes Jahr und niemand sprach von einem Mangel an PC’s, Autos, Dienstleistungen. Wenn es um die Bereitstellung nützlicher Güter ginge, käme man auch im Jahr 2009 ganz gut über die Runden. Um welches Wachstum geht es, und warum ist es eigentlich so wichtig?

AK-Wahlen

Nun sind auch die Wahlen in Wien und Niederösterreich zu Ende. Ein rückblickender Kommentar.

oN aiR – 13.5.: Die „Wir können über alles reden“-Gentrification / Marxismus und Feminismus / Die KRISE

Die „Wir können über alles reden“ – Gentrification im Grazer Lend

Der Lendwirbel, inklusive eines Symposions, ist vorbei. Alles super! Alle freuen sich! Alles wird besser! Schöner neuer Lend! Braucht das Gute und Schöne überhaupt einen Kommentar? Ja, sicher…

Marxismus und Feminismus

„Marxismus und Feminismus führten eine unglückliche Ehe“ – mit diesem Zitat läßt sich das spannungsreiche Verhältnis der beiden Theorie- und Bewegungsrichtungen umschreiben. Heftig kritisierte die Frauenbewegung, dass Marx die Reproduktionsarbeit unberücksichtigt gelassen habe. Aktuell – in Zeiten der globalen Krise – stellt sich die Frage nach einer feministischen Rezeption des Marxismus von Neuem. Ein Interview mit Frigga Haug.

Diese Krise wird schwerer als wir uns vorstellen können

Wie lange die gegenwärtige Finanzkrise andauern wird und wie scharf die Auswirkungen noch zu spüren sein werden. Darüber streiten sich die Geister. Am weitesten geht hier möglicherweise der Publizist Christian Frings: Er will wissen, dass es sich um einen grundlegende Systemkrise handelt, die womöglich Jahrzehnte anhält.

oN aiR – 6.5.: liebeist.org

Studiogespräch über andere Liebes- und Lebensformen. Mehr Infos bei liebeist.org




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